Pressemitteilung - Werra-Meißner-Kreis

Bioabfall ist ein wichtiger Rohstoff, den wir sortenrein sammeln müssen

„Die umfassende und störstofffreie Sammlung von Bioabfall ist unabdingbar für eine zukunftsweisende Entwicklung der Kreislaufwirtschaft. Dabei wird die Bedeutung von sortenreinem Bioabfall in Zukunft weiter zunehmen und letztendlich auch einen Beitrag zur Umsetzung des Klima- und Ressourcenschutzes leisten“, erläutert Umweltdezernent Dr. Rainer Wallmann.

Alle Bioabfälle aus dem Werra-Meißner-Kreis werden im Nachbarlandkreis Kassel in der Kompostanlage Lohfelden mit vorgeschalteter Biogasgewinnung zu Strom, Wärme und Kompost verarbeitet. Kompost zur Bodenregeneration oder Biogas zu erzeugen, ist mit dem Bioabfall aus dem Werra-Meißner-Kreis aber leider oft nur bedingt möglich. Die schlechte Qualität mit hohen Fremdstoffgehalten zwingen die Betreiber der Kompostanlage zu aufwendiger Störstoffauslese. Manchmal müssen sogar ganze Müllfahrzeuge aus dem Werra-Meißner-Kreis abgelehnt werden. Das verursacht höhere Entsorgungskosten und belastet in erheblichem Umfang die Abfallgebühren.

Die Biotonne wurde Mitte der 1980er Jahre von der Universität Kassel in Witzenhausen entwickelt und als so wichtig eingestuft, dass die Vorgabe zur getrennten Sammlung von Bioabfällen seit längerem bundesweit gilt.

Gerade in der Ursprungsregion der Biotonne weist ihr Inhalt allerdings eine so schlechte Qualität auf, dass z.T. nur noch eine teure Entsorgung als Restmüll möglich ist. Im Jahr 2022 wird es daher eine groß angelegte Kampagne gegen Fremdstoffe in der Biotonne geben. Die Aktion wird gemeinsam vom Werra-Meißner-Kreis, dem Zweckverband Abfallwirtschaft und den nicht dem Zweckverband angehörigen Städten Eschwege, Sontra und Witzenhausen getragen. Unterstützung erhält die Kampagne „Nur Bio in die Biotonne“ auch von der Universität Kassel.

Am Fachbereich Agrarwissenschaften der Universität Kassel in Witzenhausen, widmet sich eine Arbeitsgruppe diesem Thema entlang der Kette von den beteiligten Haushalten bis zur Kompostanlage und der Verwertung der entstehenden Komposte in der Landwirtschaft bzw. dem Ökolandbau.

Hohe Fehlwurfquoten in der Bioabfall-Sammlung sind bereits seit geraumer Zeit Thema von vielen Diskussionen, einzelnen Projekten in Kommunen und mittlerweile auch auf der Ebene des Umweltministeriums (BMU) und des Umweltbundesamtes.

Derzeit sind etwa Fremdstoffgehalte von 3-5 % (gewichtsbezogen) in Bioabfall-Chargen in vielen Kommunen im Bundesgebiet zu finden. Auch im Werra Meissner-Kreis sind leider diese problematischen Zahlen keine Einzelfälle. Die hohen Fremdstoff Belastungen (wie z. B. Plastiktüten, Lebensmittelverpackungen etc.) führen zu sehr hohen Kosten auf den Kompostanlagen, um die Fremdstoffe auszusortieren. „Die Kosten werden letztlich auf die Allgemeinheit umgelegt, die Müllgebühren können wieder steigen“, führt Friedhelm Junghans, Vorsitzender des Zweckverbandes Abfallwirtschaft, aus.

„Zudem ist die Landwirtschaft sehr skeptisch bei der Verwertung der Komposte, wenn die Fremdstoffbelastungen zu hoch sind“, ergänzt Dr. Bruns, Uni Kassel. Da die Vorschläge in der künftigen Bioabfall-Verordnung sich in der Größenordnung zwischen 0,5 bis 1% zulässiger Fremdstoffgehalte im frisch gesammelten Bioabfall (sogenannten Inputmaterial) bewegen dürften, sind die Kommunen gezwungen, die Sammelqualität des Bioabfalls deutlich zu verbessern. Dazu setzt der Werra Meissner-Kreis zum einen auf moderne Detektionssysteme („Müll-Sheriff“), die die Qualität des Bioabfalls während der Einsammlung der Tonnen ermitteln, wodurch ggf. störstoffhaltige Tonnen nicht geleert werden. Ergänzend wird eine breit angelegte und mehrsprachige Infokampagne „Nur Bio in die Biotonne“ umgesetzt werden.

Für Auskünfte steht die Abfallberaterin des Werra-Meißner-Kreises, Gabriele Maxisch, telefonisch unter 05651 3024751 oder per Email gabriele.maxisch@werra-meissner-kreis.de gerne zur Verfügung.